Meßmer Tee - Teezeremonien: Russland

Wenn Sie einmal das Vergnügen haben sollten, mit der Transsibirischen Eisenbahn zu reisen, lassen Sie Ihre Thermoskanne zu Hause und nehmen Sie ein Päckchen losen Tee mit. Denn in fast allen Waggons wird es einen Behälter mit heißem Wasser für frisch aufgebrühten Tee geben. Solche Gepflogenheiten sind in einem so frostigen Land eigentlich kein Wunder.

Verwunderlich sind allerdings die Methoden, den Tee in Russland zu süßen. Oder haben Sie etwa schon einmal versucht, Marmelade in den Mund zu nehmen und Tee darüberlaufen zu lassen? Kein Witz! Anfänger können die Konfitüre wahlweise in die Tasse löffeln. Besser gesagt: ins Glas. Denn in Russland wird Tee zu Hause aus dem Glas genossen, oft mit Zitronenscheiben, Zimt oder kandierten Früchten.

Behaglichkeit und Faszination gehen von dem dickbauchigen Samowar aus, der den ganzen Tag dampfend auf dem Tisch steht. Samowar heißt nämlich in der Übersetzung "Selbstkocher". Obenauf gluckt wie eine Henne der "Tscheinik", die kleine Kanne mit einem starken Extrakt aus Tee und etwas Wasser. Das Wasser im Samowar wird immer auf dem Siedepunkt gehalten. Ein Drittel Tee-Extrakt aus dem "Tscheinik" wird mit zwei Dritteln heißem Wasser verdünnt. Auch die Tradition der hohen Teegläser auf einem Metallfuß stammt übrigens aus Russland. Wer den russischen Tee stilecht genießen möchte, nimmt einen Teelöffel voll "Warenije", eingekochter Früchte, in den Mund und lässt den Tee langsam darüberlaufen.